Rund 38 Prozent der MBA-Absolventinnen und -Absolventen berichten drei Jahre nach dem Abschluss von keiner nennenswerten Gehaltssteigerung. Diese Zahl steht in keiner Anbieterbroschüre, ergibt sich aber aus derselben Erhebung, aus der die schönen Zahlen stammen.

Was die Erhebung tatsächlich zeigt

Für Österreich gibt es eine belastbare Quelle: Das Marktforschungsinstitut brandscore.at hat im Auftrag des INDUSTRIEMAGAZIN 200 Führungskräfte aus Unternehmen mit 10 bis 1.000 Beschäftigten befragt. Die Ergebnisse zur Einkommensentwicklung drei Jahre nach dem Abschluss:

Gehaltsentwicklung nach drei JahrenAnteil der Befragten
Steigerung über 25 Prozent13 %
Steigerung bis 25 Prozent26 %
Steigerung um 10 Prozent23 %
keine oder geringere Veränderung38 %

Die letzte Zeile ist die interessante. Sie steht so nicht im Studienbericht - sie ist der Rest, wenn man die drei genannten Gruppen von hundert abzieht. Für gut ein Drittel hat sich der Abschluss finanziell also nicht messbar ausgezahlt, jedenfalls nicht in den ersten drei Jahren.

Ein zweites Ergebnis derselben Erhebung ist für die Bewerbung aussagekräftiger als jede Gehaltstabelle: Für 61,5 Prozent der befragten Entscheidungsträger gibt der MBA bei zwei ähnlich qualifizierten Kandidaten den Ausschlag. Der Abschluss wirkt also stärker beim Hineinkommen als beim Verhandeln.

Warum die kursierenden Prozentzahlen zu hoch sind

„30 bis 50 Prozent mehr Gehalt" liest man häufig. Diese Spanne stammt aus einer Alumni-Befragung der WU Executive Academy unter rund 200 eigenen Absolventinnen und Absolventen. Die Zahl ist nicht falsch, aber sie beschreibt eine besondere Gruppe: Menschen, die 43.200 bis 65.200 Euro Studiengebühr aufbringen konnten, überwiegend aus Konzernen kommen und deren Karriere ohnehin steil verlief.

Wer ein Fernstudium für 9.900 Euro neben einem Job im Mittelbetrieb absolviert, gehört einer anderen Grundgesamtheit an. Für diese Gruppe existiert keine eigene Erhebung - was nicht heißt, dass der Effekt null ist, sondern dass niemand ihn gemessen hat.

Als Orientierung, wo die Gehälter in Österreich überhaupt liegen: Die Verdienststrukturerhebung der Statistik Austria weist für Führungskräfte einen mittleren Bruttostundenverdienst von 34,64 Euro aus, für akademische Berufe 24,39 Euro (Erhebung 2022). Das ist die Basis, auf die eine prozentuale Steigerung aufsetzt - nicht die 200.000 Euro aus internationalen Rankings.

Ab wann sich der Abschluss trägt

Interessanter als das Zielgehalt ist die Frage, wie lange es dauert, bis die Investition wieder hereinkommt. Die Rechnung geht so: Der mittlere MBA in Österreich kostet 16.900 Euro. Weil Fortbildungskosten absetzbar sind, bleiben bei 40 Prozent Grenzsteuersatz effektiv 10.140 Euro. Von jeder Gehaltserhöhung wiederum bleibt nach Steuer ebenfalls nur der Rest.

Gehaltssteigerung auf 60.000 € Ausgangsgehaltnetto pro JahrInvestition wieder drin nach
10 % (+ 6.000 € brutto)3.600 €2,8 Jahre
25 % (+ 15.000 € brutto)9.000 €1,1 Jahre
keine Steigerung0 €nie

Selbst im mittleren Szenario ist die Investition also nach drei Jahren zurückverdient - vorausgesetzt, die Steigerung kommt. Genau das ist der Punkt, an dem die 38 Prozent aus der Erhebung relevant werden: Der MBA ist keine Rendite mit Garantie, sondern eine Wette auf die eigene nächste Verhandlung.

Nicht eingerechnet sind die 2.250 Arbeitsstunden, die ein 90-ECTS-Lehrgang kostet, und das entgangene Einkommen bei reduzierter Arbeitszeit. Wer beides ansetzt, verschiebt die Amortisation deutlich nach hinten.

Wo der Effekt am größten ist

Aus der Struktur der Erhebung und den Zulassungsprofilen der Programme lässt sich ableiten, wann sich der Abschluss am ehesten auszahlt:

  • Beim Wechsel in die Führung. Wer aus einer Fachrolle heraus zum ersten Mal Personalverantwortung übernimmt, macht den größten Gehaltssprung - der MBA liefert dafür das formale Argument.
  • Beim Branchenwechsel. Der Abschluss ersetzt fehlende Referenzen im Zielbereich, weil er zeigt, dass die betriebswirtschaftliche Grundlage vorhanden ist.
  • Beim Arbeitgeberwechsel. Interne Gehaltssprünge sind in Österreich durch Kollektivverträge und Gehaltsbänder gedeckelt. Die 61,5 Prozent aus der Erhebung beziehen sich ausdrücklich auf Bewerbungssituationen.

Am wenigsten bringt er dort, wo das Gehalt ohnehin an einem Schema hängt - im öffentlichen Dienst, in großen Kollektivvertragsbranchen. Dort verbessert der MBA die Aufstiegschance, nicht die Einstufung.