MBA Voraussetzungen in Österreich
Wer zugelassen wird - und wer auch ohne Bachelor hineinkommt
Ein Bachelor ist keine Bedingung. Das überrascht viele, ist aber im Fachhochschulgesetz so vorgesehen: Hochschullehrgänge dürfen als außerordentliche Studien geführt werden, und dann zählt Berufserfahrung statt Erstabschluss. Entscheidend ist nicht die Hochschule, an der Sie sich bewerben, sondern die ECTS-Zahl des Lehrgangs.
Die ECTS-Zahl entscheidet über den Zugang
Österreichische MBA-Lehrgänge gibt es in drei Ausbaustufen, und sie unterscheiden sich nicht nur im Umfang, sondern im Zulassungsweg:
| Umfang | Programme | Erstabschluss nötig? | Typische Dauer |
|---|---|---|---|
| 60 ECTS | 12 | ja - Hochschulabschluss mit mindestens 180 ECTS | 2 bis 3 Semester |
| 90 ECTS | 42 | in der Regel ja | 3 bis 4 Semester |
| 120 ECTS | 39 | nein - Berufserfahrung ersetzt ihn | 4 bis 6 Semester |
Die Logik dahinter: Wer keinen Bachelor mitbringt, muss die fehlenden 60 ECTS im Lehrgang nachholen. Deshalb ist die 120-ECTS-Variante länger und meist etwas teurer - bei ASAS etwa 8.900 statt 7.900 Euro. Die Fachhochschule Oberösterreich formuliert es in ihrer Programmbeschreibung direkt: Die 120-ECTS-Fassung ist „die MBA-Variante für Interessierte ohne ersten Hochschulabschluss".
Der Weg ohne Hochschulabschluss
Grundlage ist § 9 des Fachhochschulgesetzes. Er verlangt für die Zulassung ohne Erstabschluss eine „mehrjährige einschlägige Berufserfahrung" sowie die im Curriculum geforderten Voraussetzungen.
Das Wort „mehrjährig" ist der entscheidende Punkt. Das Gesetz nennt keine Zahl - jede Hochschule legt sie in ihrem Curriculum selbst fest. Deshalb variieren die Anforderungen erheblich, und ein Blick auf zwei Programme derselben Hochschule genügt, um das zu sehen:
- HOK Hochschule Kufstein Tirol: drei Jahre einschlägige Praxis - beim General Management MBA Fokus Marketing 4.0 sind es vier.
- ASAS in Kooperation mit der Hochschule Burgenland: Die 120-ECTS-Lehrgänge stehen ohne Bachelor offen, die 60-ECTS-Varianten nicht.
Fragen Sie deshalb nie allgemein, ob ein Anbieter „ohne Bachelor" zulässt, sondern immer nach dem konkreten Lehrgang und seiner ECTS-Zahl. Die Antwort kann innerhalb desselben Hauses unterschiedlich ausfallen.
Wie viel Berufserfahrung wirklich verlangt wird
Für die Zahlen, die in Ratgebern kursieren, gilt dasselbe wie für die Preise: Sie sind meist zu hoch gegriffen. „Executive MBA: 8 bis 15 Jahre" liest man häufig. Die WU Executive Academy, das anspruchsvollste Haus im Land, verlangt in ihrer Bewerbungsübersicht deutlich weniger:
| Programm | Berufserfahrung nach dem Studium |
|---|---|
| Global Executive MBA, Executive MBA Bucharest | mindestens 5 Jahre |
| Vienna Executive MBA | mindestens 3 Jahre |
| HOK Kufstein, mit Hochschulabschluss | 1 Jahr |
| UWK Krems, MBA General Management | 2 Jahre |
Drei Jahre nach dem Abschluss reichen also für ein Executive-Programm an der einzigen Triple-Crown-Schule des Landes. Wer wartet, bis er die vermeintlich nötigen zehn Jahre beisammen hat, verschenkt Zeit.
GMAT braucht in Österreich fast niemand
Der GMAT ist ein US-amerikanischer Zulassungstest, und in Österreich spielt er kaum eine Rolle. Auf der Bewerbungsseite der WU Executive Academy taucht er nicht unter den erforderlichen Unterlagen auf; angefordert wird er nur im Einzelfall. Kein anderes österreichisches Programm macht ihn zur Pflicht.
Wer ihn dennoch ablegt, tut es aus einem anderen Grund: für Bewerbungen an Schulen im Ausland, wo er Standard ist. Für einen MBA in Wien, Krems oder Kufstein ist die Vorbereitungszeit besser in das Bewerbungsgespräch investiert.
Was im Auswahlgespräch passiert
Nach den Unterlagen kommt bei den größeren Anbietern ein persönliches Gespräch. Die WU lädt geeignete Bewerberinnen und Bewerber dazu ein und arbeitet mit Fallstudien und Wissensfragen - es ist also kein reines Kennenlernen.
Zwei Empfehlungsschreiben gehören dort ebenfalls dazu: eines von der direkten Führungskraft, eines von einer selbst gewählten Person, die Ihnen nicht unterstellt ist. Diese zweite Bedingung wird gern überlesen und führt dazu, dass Bewerbungen zurückgehen.
Bei den Fernstudienanbietern läuft es formloser ab. Dort entscheidet in der Regel die Aktenlage, und der Einstieg ist laufend möglich - ohne Bewerbungsfristen, ohne Gespräch.
Das Erststudium muss nicht wirtschaftlich sein
Ein häufiges Missverständnis: Der MBA setzt keinen BWL-Abschluss voraus. Technikerinnen, Juristen, Medizinerinnen und Geisteswissenschaftler sind in den Kohorten die Regel, nicht die Ausnahme - der Lehrgang liefert genau das betriebswirtschaftliche Rüstzeug, das im Erststudium gefehlt hat.